VORHABENBESCHREIBUNG

Kulturfabrik Krawatte in Barsinghausen

Stand 27. Oktober 2016

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Vorhaben
  2. Die Ausgangslage
  3. Die Initiatoren
    3.1 Die Kunstschule Noa Noa e.V. Barsinghausen
    3.2 Der Kunstverein Barsinghausen e.V.
    3.3 Die Entstehungsgeschichte
    3.4 Der Kulturverein Krawatte e.V.
  4. Partner
  5. Die Entwicklung soziokultureller Strukturen und Kooperationen
    5.2 Erste Schritte
    5.1 Grundsätze
  6. Das Gebäude
    6.1 Standort
    6.2 Geschichte und Größe
  7. Das Raum- und Nutzungsprogramm in der Zielvorstellung
    7.1 Das Erdgeschoss
    7.2 Das Obergeschoss
    7.3 Der Beginn als Kulturfabrik
  8. Die Finanzsituation Bau
    8.1 Baukosten
    8.2 Betriebskosten in der Zielvorstellung
  9. Zusammenfassung und Ausblick

1. Das Vorhaben

Mit der Kulturfabrik Krawatte entsteht ein soziokulturelles Zentrum als Ort kultureller Bildung, in dem und von dem ausgehend Menschen aus Barsinghausen das kulturelle Leben der Stadt gestalten und entwickeln können.

Die Kulturfabrik Krawatte bietet mit ihren Räumen und der zugehörigen technischen Infrastruktur die notwendige Voraussetzung für ein erweitertes vielfältiges Spektrum kulturell-künstlerischer Aktivitäten in Barsinghausen.

Gruppenräume, Werkstätten, Probebühne, Gemeinschaftsküche, Veranstaltungsräume und Außengelände stehen für eine selbstorganisierte Nutzung durch Vereine, Bürgerinitiativen, spontane Gruppierungen, Künstler und Einzelpersonen zur Verfügung.

Der Kulturverein Krawatte e.V. wird als Betreiber die Vernetzung und Kooperation der Akteure voranbringen und unterstützen und weniger artikulationsstarken Bevölkerungsteilen Stimme verleihen und Teilhabe erwirken.

Er wird in Zusammenarbeit mit weiteren Kulturinitiativen die Menschen in Barsinghausen und Umgebung zur Teilnahme an vielfältigen kulturellen Projekten einladen und Veranstaltungen aller kulturellen Sparten wie Musik, Theater, Tanz, Bildende Kunst und Literatur selbst durchführen oder andere Akteure dabei beratend unterstützen.

Die Entfaltung und Entwicklung kreativer, kommunikativer und ästhetischer Fähigkeiten des Einzelnen sowie die Ermutigung zu Mitwirkung und verantwortlicher Eigeninitiative versteht der Kulturverein als seine zentrale Aufgaben.

So wird in Barsinghausen ein Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs aller Milieus und Kulturen entstehen, an dem Strittiges diskutiert, Neues erprobt und Fremdes als Bereicherung erlebt wird.

Der Grundsatz der Nichtdiskriminierung und der Gleichstellung von Mann und Frau ist selbstverständlicher Bestandteil der Vereinskultur. Ziel ist es also, den gegenseitigen Respekt im Zusammenleben aller Bevölkerungskreise zu fördern sowie zu innovativer Zusammenarbeit und zur offenen gesellschaftlichen Debatte anzuregen.

2. Die Ausgangslage

Im Kulturleben der Stadt haben sich längerfristig fünf Akteure etabliert: die ehrenamtlich betriebene Agentur Calenberger Cultour & Co v. a. mit einem Theaterprogramm im Schulzentrum und ausgesuchten Musikangeboten im Konventsaal des Klosters, das Amateurtheater Deister-Freilichtbühne mit seinen viel besuchten Aufführungen im Sommer, das Bergwerksmuseum mit den touristisch attraktiven Einfahrten in den Klosterstollen sowie die Kunstschule Noa Noa und der Kunstverein Barsinghausen.

Hinzu kommen ein reiches Vereinsleben vom Schachclub bis zum NABU, von Gesangsvereinen bis zu jüngeren A-Capella-Chören und Bands sowie die kulturellen Aktivitäten der Kirchen und politischen Gruppierungen. Nicht wenige arbeiten fast verborgen in ihren Nischen oder richten ihre Treffen und Veranstaltungen eher sporadisch und an wechselnden Orten aus. In den dörflichen Ortsteilen bieten unterschiedliche Einrichtungen von der Feuerwehr bis zum Dorfgemeinschaftshaus vereinzelt kulturelle Veranstaltungen an.

Jugendliche und mobile Erwachsene nehmen vor allem das Kultur- und Unterhaltungsangebot der Hauptstadt wahr. Sie vermissen ein verlässliches und für sie attraktives Angebot am Ort. Das gilt erst recht für die auf erreichbare Veranstaltungen angewiesenen Senioren und junge Familien.

Seit Jahren existiert ein „Kultur-Stammtisch“ der ehrenamtlichen Kulturanbieter, der gemeinsame Belange und aktuelle Probleme bespricht. Er wurde im Jahre 2016 neu belebt durch den Stadtmarketing-Verein „Unser Barsinghausen“ von Barsinghäuser Kaufleuten und Unternehmen. Dieser initiierte die Herausgabe der vierteljährlich erscheinenden Broschüre „Barsinghäuser Kulturtermine“ und veranstaltete in der Innenstadt erstmals den „Tag der Ortsteile“, an dem alle Kulturinitiativen ihr Engagement öffentlich darstellen können. Ein Zeichen zunehmenden Bewusstseins für die Bedeutung von Kultur in der Stadtentwicklung.

Viele der zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen (wie die Lesehilfen für Kinder oder die Betreuung von Flüchtlingsfamilien) und der kulturellen sowie sozialen Interessengruppen (wie die Fotofreunde, Schach- oder Bridgegemeinschaften) finden oft in privaten oder wenig geeigneten Räumen statt und stoßen so an ihre Grenzen.

Es fehlt eine kulturelle Mitte, die ein beständiger Ort solcher Aktivitäten und Anziehungspunkt für möglichst viele Barsinghäuser wird und so zur Entwicklung der sozialen Struktur des gesamten „Stadt“-Gebiets und seiner Identität beiträgt. Die Kulturfabrik Krawatte soll diese Lücke ausfüllen. Sie soll die reiche, aber zersplitterte soziale und kulturelle Vielfalt der Stadt widerspiegeln, bündeln und das Miteinander entfalten. Sie wird die Lebensqualität in Barsinghausen verbessern und zugleich mit ihrem kulturellen Programm über die Grenzen Barsinghausens hinaus Besucher aus dem erweiterten Umland anziehen.

3. Die Initiatoren

Da die Stadt Barsinghausen aufgrund ihres Haushaltskonsolidierungsvertrags mit dem Land Niedersachsen ihre freiwilligen Aufgaben drastisch einschränken musste und die kulturelle Versorgung in wesentlichen Teilen ehrenamtlichen oder institutionellen Trägern überließ, wurden die Kunstschule Noa Noa e.V. und der Kunstverein Barsinghausen e.V. selbst initiativ, um ihre unzureichende Arbeitssituation zu verbessern und sich Entwicklungschancen zu eröffnen.

3.1 Die Kunstschule Noa Noa e.V. Barsinghausen

Sie bietet seit 25 Jahren für Kinder und Erwachsene kunstpraktische Kurse an und ist soziokulturell ausgerichtet. Sie arbeitet erfolgreich mit Schulen und anderen öffentlichen Trägern zusammen – auch außerhalb Barsinghausens. Die Kunstschule arbeitet inklusiv und hat mit Projekten wie den alljährlich veranstalteten Theaterproduktionen mit Behinderten „Die wilden Schwäne“ auf sich aufmerksam gemacht, ebenso mit ortsbezogenen Projekten wie dem Bau des außergewöhnlichen „Wohnzimmers im Freien“ im Zechenpark, das zu einer Attraktion geworden ist.

Die Kunstschule Noa Noa finanziert ihre Arbeit durch

- Mitgliedsbeiträge

- Mietzuschuss der Stadt

- Spenden

- Teilnahmegebühren

- z.T. Projektförderung.

3.2 Der Kunstverein Barsinghausen e.V.

Er arbeitet bereits zehn Jahre lang ehrenamtlich und sieht seine Aufgabe darin, lokaler, regionaler und überregionaler zeitgenössischer Kunst ein Forum zu bieten und damit in der Stadtgesellschaft Diskussionsanlässe zu geben.

Eine große Rolle spielt dabei die Kunstvermittlung, die in Kooperation mit der Kunstschule Noa Noa durchgeführt wird und zunehmend ein gemischtes Publikum erreicht. Die Teamer der Kunstschule leiten im Auftrag des Kunstvereins jährlich bis zu zehn ausstellungsbezogene Workshops mit Erwachsenen - das sind meist Senioren - und vor allem Schulklassen. Alle Schulen sind in einem Kontaktlehrerprogramm beteiligt. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit der Barsinghäuser Bert-Brecht- Förderschule. Ein Höhepunkt der soziokulturellen Kooperation war in 2010 das große Integrationsprojekt „Unser Raum der Kulturen“.

Der Kunstverein finanziert seine Arbeit durch

- Mitgliedsbeiträge

- Unterstützung der Stadt

- Spenden

- v.a. aber Projektförderung der Ausstellungen durch das Land, die Region und kulturelle Stiftungen.

3.3 Die Entstehungsgeschichte

Die jetzigen Räume sowohl der Kunstschule Noa Noa als auch des Kunstvereins sind nicht barrierefrei. Die Räume der Kunstschule sind zudem allzu beengt und die des Kunstvereins nicht heizbar. Beide Vereine suchen daher seit Jahren geeignetere Alternativen.

2014 ermutigte ein Barsinghäuser Bürger, der anonym bleiben möchte, die beiden Vereine mit der Zusage einer großzügigen Spende zur Suche nach einem gemeinsamen Haus, in dem sich auch die bisherige erfolgreiche Kooperation weiter optimieren ließe. Sie fanden in günstiger Lage die leerstehende ehemalige Krawattenfabrik Ahlborn, die nicht nur beiden Vereinen gute Möglichkeiten eröffnet, sondern vor allem auch Raum genug bietet für die Erweiterung der bisherigen Kooperation hin zu einem soziokulturellen Zentrum.

3.4 Der Kulturverein Krawatte e.V.

Er wurde im Januar 2016 gegründet mit dem Ziel „Einrichtung und Betrieb der 'Kulturfabrik Krawatte' in Barsinghausen und ihre Entwicklung zu einem soziokulturellen Zentrum“. Der Verein arbeitet ehrenamtlich. Gründungsmitglieder sind unter anderen die Kunstschule Noa Noa e.V. und der Kunstverein Barsinghausen e.V.

Den Vorstand bilden laut Satzung vier Personen, und zwar jeweils eine Vertreterin oder ein Vertreter der Kunstschule Noa Noa e.V. und des Kunstvereins Barsinghausen e.V. und ein oder zwei von der Mitgliederversammlung hinzu gewählte Vorstandsmitglieder.

Der Kulturverein Krawatte e.V. hat das Ziel, über die bestehenden Angebote hinaus ein vielfältiges und beständiges Kulturangebot in Barsinghausen zu ermöglichen und als kultureller Knotenpunkt die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung der lokalen Akteure systematisch zu entwickeln und dadurch ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Dazu sollen bestehende Netzwerke ausgebaut und neue entwickelt und der gegenseitige Austausch organisiert und moderiert werden. Ein produktives Klima der Kooperation und Gemeinsamkeit soll erzeugt werden, in dem alle Beteiligten ihre Kompetenzen einbringen können. Der Verein wird die Akteure zudem bei ihrer Arbeit beraten.

Zentrale Aufgaben sind

-      die Öffentlichkeitsarbeit und das Anwerbung von Vereinsmitgliedern

-      das Bilden von Netzwerken und die Öffnung für andere Gruppierungen die sich aktiv an der Gestaltung des Kulturzentrums beteiligen

-      die Aufstellung und Weiterentwicklung des Nutzungskonzepts je nach Ausbaustand

-      die Aufstellung des jährlichen Finanzplans und der Jahresbilanz

-      die Durchführung eigener soziokultureller Projekte und Veranstaltungen (ein erstes Projekt „Die Barsinghäuser Weltkarte“ wurde bereits begonnen).

-      die Einrichtung und Vermietung der Räume, die Selbsthilfegruppen, Vereinen oder anderen gesellschaftlich engagierten Gruppen als Treffpunkt oder Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen

-      die Einstellung einer Geschäftsführerin oder eines Geschäftsführers (Kulturmanagement) und gegebenenfalls weiteren Personals

-      die Akquisition von Fördergeldern für die Sanierung und Einrichtung des Hauses

-      die baulichen Maßnahmen und die Instandhaltung des Grundstücks und des Gebäudes

-      Vermietungen an Dauermieter (die ersten Dauermieter sind die Gründungsvereine Kunstschule Noa Noa und der Kunstverein Barsinghausen).

Im September 2017 wurde der Erbpachtvertrag für das Grundstück und das Gebäude der ehemaligen Krawattenfabrik unterzeichnet. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 50 Jahren. Ein für die Größe des Gebäudes sehr moderater Pachtzins von 500 € pro Monat wurde vereinbart. Die zugesagte Spende des anonymen Barsinghäusers in Höhe von 150.000 € ist ebenfalls beim Kulturverein Krawatte e.V. eingegangen.

4. Partner

Fachkompetente Partner begleiten das Vorhaben und beraten bei der Umsetzung. Der Kulturverein Krawatte ist Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur LAGS, die ihn bei der Planung und Umsetzung des Vorhabens unterstützt. Dr. H.J. Siewert, ehemaliger Referatsleiter im Ministerium für Wissenschaft und Kultur, ist Vereinsmitglied und bringt beratend seine Erfahrung ein. Die Bauplanung hat das Barsinghäuser Architekturbüro Lüerssen übernommen, das besonders über Erfahrungen bei der Planung und Ausführung öffentlicher Gebäude verfügt.

5. Die Entwicklung soziokultureller Strukturen und Kooperationen

Der Kulturverein Krawatte e.V. steht am Anfang eines längeren Prozesses.

5.1 Grundsätzlich soll dafür gelten:

Der Kulturverein Krawatte e.V. würdigt die Arbeit und den Status der oben genannten Barsinghäuser Kulturanbieter sowie der anderen Gruppen, Initiativen und Vereine. Er will nicht als Konkurrenz wahrgenommen werden, sondern als Chance für die Entwicklung der Partner.

Durch Vernetzung wird eine Verbesserung der Qualität der kulturellen Praxis, ein effektiver Umgang mit Ressourcen und der Aufbau sinnvoller und der Situation vor Ort angemessenen Strukturen erreicht.

Das kulturelle Engagement von hauptberuflich und ehrenamtlich Tätigen soll sich ergänzen und zu einer hohen Qualität kultureller Arbeit führen.

Die inhaltlichen Themen gemeinsamer Projekte leiten sich aus der Arbeit der Beteiligten her und beziehen sich auf ihr gesellschaftliches Umfeld. Menschen („Zielgruppen“) wird eigenes kulturelles Handeln ermöglicht, Gelegenheitsstrukturen werden hierzu geschaffen. Teilnehmende werden zur Auseinandersetzung mit künstlerischen Ausdrucksformen angeregt. Die angedachten „Wirkungen“ sind auch nach Projektende überprüfbar. Das „Ergebnis“ wird in den Arbeitsalltag eingespeist.

Von der Kulturfabrik gehen auch künstlerische, temporäre Interventionen in den Stadtraum aus. Es könnte beispielsweise ein Projekte wie z.B. „Artist in Residence“ entstehen.

Fragen zur Kulturplanung und Kulturentwicklung Barsinghausens werden gemeinsam und spartenübergreifend von den Kulturvereinen, Initiativen, freien Trägern und Einzelpersonen zusammen mit der Kommunalverwaltung behandelt. So können weitreichende Planungen und Neuentwicklungen angestoßen und gestärkt werden.

5.2 Die nächsten Schritte:

Die ersten Projekte im Rahmen der soziokulturellen Arbeit sind angelaufen.

Workshops der Kunstvermittlung des Kunstvereins mit Schulklassen und Flüchtlingskindern haben in den noch nicht restaurierten Räumen der Kulturfabrik stattgefunden. Freiluft-Kurse der Kunstschule konnten auf dem Gelände durchgeführt werden. Ein interaktives Video-Projekt des Kulturvereins über die Zuwanderung nach Barsinghausen wurde begonnen: „Zu Hause in Barsinghausen? oder: Die Barsinghäuser Weltkarte“. Es wird von der Region Hannover gefördert. Nach der zur Zeit laufenden Testphase werden alle Barsinghäuser Vereine und Initiativen zur Beteiligung eingeladen. Weitere Aktivitäten sind in Planung.

Mit anderen Vereinen wurden erste Gespräche aufgenommen. Es geht dabei zum Beispiel um den Ausbau des Programms im Bereich Kleinkunst, Kabarett und Konzerte in Zusammenarbeit mit Calenberger Cultour & Co. und um die Nutzung des Saales und der Probebühne für zusätzliche Projekte der Deister-Freilichtbühne in der Wintersaison.

Schon jetzt liegen Anfragen z. B. von Chören und Seniorengruppen für Übungs- und Gruppenräume vor.

Der Kulturverein Krawatte e.V. ist in gutem Kontakt mit der Stadt Barsinghausen, dem Bürgermeister und den politischen Parteien. Intensive Gespräche haben bereits stattgefunden und werden kontinuierlich weitergeführt. Die Stadt ist eingeladen, einen Vertreter in den Vorstand zu entsenden, um die gemeinsame Arbeit zu intensivieren.

Im Frühjahr 2017 findet ein Tag der offenen Tür statt. Das Programm soll von unterschiedlichen bestehenden Gruppen und Vereinen aus Barsinghausen gestaltet werden. Ziel ist es, aktive Kulturschaffende einzubinden und die Kulturfabrik für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen.

Dazu ist kurzfristig die Einberufung des Kulturstammtischs geplant. Alle interessierten Vereine und Initiativen werden dazu eingeladen, um die Öffnung des Vereins und des Kulturzentrums für andere Gruppen zu initiieren.

Außerdem wird es verschiedene Aktionen geben, um Spendengelder zu akquirieren.

Für Ende 2017 ist die Einstellung einer/s Kulturmanagers/erin geplant, der das Kulturprogramm entwickeln und betreuen wird. Sie/er wird auch die ehrenamtliche Arbeit, die in diesem Bereich bereits geleistet wird, koordinieren, beraten und gegebenenfalls qualifizieren.

6. Das Gebäude

6.1 Standort

Das Objekt (Egestorfer Str. 28) liegt am Rande der Kernstadt Barsinghausen und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen. Parkraum ist ausreichend vorhanden. Bei größeren Veranstaltungen stehen auch benachbarte Gewerbeparkplätze zur Verfügung. Das Grundstück hat keine unmittelbare Nachbarschaft zu Wohngebäuden. Hinter ihm erhebt sich im Süden die begrünte Halde. Im Westen und Osten grenzen die Feuerwehr bzw. ein Gewerbebetrieb an. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Norden gibt es gemischte Wohn- und Gewerbebebauung. Das bedeutet: keine Störungen für Nachbarn bei Veranstaltungen und durch Plein-air-Werk-stätten.

6.2 Geschichte und Größe

Das Grundstück umfasst 2.500 qm. Keimzelle der Krawattenfabrik Ahlborn ist der zweistöckige Altbaumit Satteldach von ca. 1950 an der Egestorfer Str. (Grundfläche 102 qm). 1952 wurde zur Halde hin die „Alte Produktion“ angebaut (171 qm), ursprünglich eingeschossig, später um ein Stockwerk mit Flachdach erweitert. 1964 wurde dem Komplex nach Osten hin die große Halle mit drei Sheds angegliedert (569 qm). Schließlich kam 1973 rückwärtig zur Halde hin der zweigeschossige Skelettbau mit neuem Treppenhaus und Flachdach hinzu (339 qm). Aus dieser Zeit stammt auch der Lastenaufzug und die große Doppelgarage (66 qm).

Das gesamte Gebäude hat eine Grundfläche von 1.247 qm und bietet 1.148 qm Nutzfläche im EG und 527 qm im OG.

Die gesamte Außenhülle des Gebäudes, die Dächer und die Fenster eingeschlossen, muss saniert werden. In einer Notmaßnahme wurde das Flachdach der Alten Produktion Anfang 2016 bereits erneuert. Die kleine „Hausmeister“-Wohnung im OG des Altbaus wurde renoviert und ist inzwischen bezogen worden.

7. Das Raum- und Nutzungsprogramm in der Zielvorstellung

7.1 Das Erdgeschoss

wird soziokulturell genutzt. Es ist durchgehend barrierefrei.

Das Foyer
öffnet sich über eine kleine Terrasse zur Straße hin. Es ist das Entree und mit seiner hellen Fassade gleichsam das Gesicht des Zentrums. Das Foyer ist der Ort für Begegnung und Kommunikation. Hier trifft man sich, hält man sich in den Pausen auf oder wartet etwa bei einer Tasse Kaffee auf seinen Kurs. Hier ist die „Barsinghäuser Weltkarte“ installiert und lädt zur interaktiven Erkundung ein. Das Foyer kann aber auch für Veranstaltungen, Gesellschaften und als Gruppen- und Probenraum genutzt werden.

Der Saal
bildet mit 180 Sitzplätzen das Herzstück der Kulturfabrik. Er enthält eine mobile Bühne und ist multifunktional nutzbar. Zu ihm gehört ein Stuhl- und Stellwandlager, sowie ein Geräteraum. Als Künstlergarderobe dienen angrenzende Gruppenräume.

Der Kunstverein wird etwa vier Ausstellungen jährlich im Saal ausrichten und ihn dafür gesondert anmieten. Es ist geplant, dass auch innerhalb der Ausstellungen Veranstaltungen (Musik, Vorträge, Lesungen) stattfinden.

Die fünf Werkstätten
(sauberes Atelier, Malatelier, Holzwerkstatt, Keramikwerkstatt, Außenwerkstatt) werden von der Kunstschule Noa Noa dauerhaft gemietet. Vor allem das saubere Atelier kann auch durch andere Nutzer als Gruppenraum angemietet werden.

Zwei weitere Gruppenräume
stehen für Vereine und Gruppen zur Verfügung. Einer von ihnen wird als Chorübungsraum und Probebühne mit Nebenraum eingerichtet.

Das Büro
wird gemeinschaftlich von der Geschäftsführung der Kulturfabrik sowie den Dauermietern Kunstschule und Kunstverein genutzt, so dass es täglich an möglichst vielen Stunden geöffnet ist. Ein anschließender Materialraum ist für die Lagerung der Unterlagen vorgesehen.

Die Gemeinschaftsküche
bietet kleineren Gruppen die Gelegenheit zu gemeinsamen Kochaktionen und steht bei größeren Veranstaltungen gegebenenfalls den Caterer zur Verfügung. Von ihr aus können sowohl das Foyer als auch der Saal bedient werden.

Eine ständige gewerbsmäßige Restauration ist nicht vorgesehen. Wünschenswert ist eine frei gebildete Küchencrew, die die Verwaltung der Küche verantwortlich übernimmt und unter anderem für Besucher ein kleines Angebot an Getränken und Gebäck bereit stellt.

Die WC Anlage
schließt sich an das Foyer an. Es ist selbstverständlich eine Behindertentoilette geplant.

Das Archiv des Kunstvereins
ist in einem innen liegenden Raum neben dem Saal vorgesehen und wird dauerhaft gemietet.

7.2 Das Obergeschoss
(171 qm Alten Produktion und 306 qm Skelettbau)

Die Nutzung dieser Flächen steht noch nicht fest. Es gibt einen defekten Lastenaufzug, an dessen Stelle ein behindertengerecht ausgestatteter Personenaufzug eingebaut werden kann. Die Etage soll größtenteils dauervermietet werden, um mit den Mieteinnahmen die Pacht- und Unterhaltskosten für das Gebäude aufzubringen. Die Räume können auf Basis der Vorgaben der Mieter im Rahmen eines Masterplans zugeschnitten und eingerichtet werden. Vorstellbar sind Ateliers, Büro- oder Praxisräume. Anfragen von Künstlern, Designern und einer Kunsttherapeutin liegen bereits vor. Auch eine spätere Ausweitung der soziokulturellen Nutzung ins Obergeschoss ist denkbar.

7.3 Der Beginn als Kulturfabrik

Die erste Voraussetzung für die Aufnahme regelmäßiger Arbeit im Kulturzentrum ist die Sanierung der Dächer, der Einbau einer neuen Heizung und die ausreichende Wiederherstellung der Toilettenanlage, in die eine Behindertentoilette zu integrieren ist. Alle Baumaßnahmen von der ersten Baustufe an werden nach einem Masterplan des Architekten ausgeführt, so dass zusätzliche Kosten durch spätere Änderungen vermieden werden.

Sowohl die Kunstschule als auch der Kunstverein sind bereit, sich anfangs mit provisorisch hergerichteten Räumen zu begnügen. Das gemeinsame Büro im intakten Altbau kann dann sofort eingerichtet werden.

Die zweite Voraussetzung ist ein geeigneter öffentlicher Zugang, und das heißt: Der erste Raum, der nach dem Masterplan annähernd in seinem endgültigen Zustand fertig gestellt wird, muss das Foyer mit dem Zugang von der Egestorfer Straße aus und mit der neu gestalteten Fassade sein.

Hiermit verbindet sich der Vorteil, dass dieses repräsentative Entree in das Kulturzentrum für unterschiedliche Veranstaltungen genutzte werden kann, für kleine Empfänge, Seminare, Besprechungen, Chor- und Theaterproben. und dass so sofort nach seiner Fertigstellung bereits eine vielfältige soziokulturelle Nutzung möglich wird und erste Einnahmen generiert werden können.

Zudem können mögliche Mieter, Förderer und weitere an der Besichtigung des Gebäudes Interessierte in diesem Raum angemessen empfangen werden; und so kann ihnen ein positiver Eindruck vom geplanten Zielzustand des Vorhabens vermittelt werden.

8. Die Finanzsituation

8.1 Baukosten

Die Kosten der Energetischen Sanierung der Gebäudehülle und der Innenausbau des Erdgeschosses betragen nach derzeitigen Schätzungen mind. 1.432.000 € brutto. Eine Aufgliederung des gesamten Bau- und Sanierungsvorhabens in Bauabschnitte und über den gesamten Finanzierungs- und Förderbedarf liegt bei.

Durch den Einsatz dieser Gelder wird bis Ende 2020 in mehreren Bauabschnitten der Stand eines funktionierenden, sanierten Gebäudes mit einer Grundausstattung im Innenausbau des Erdgeschosses erreicht.

8.2 Betriebskosten in der Zielvorstellung

Die Finanzierung der Betriebskosten wird anfangs zum großen Teil durch die Dauermieter Kunstschule Noa Noa und Kunstverein und schrittweise durch die Dauervermietungen im Obergeschoss gesichert. Hinzu kommen die Kurzzeitvermietungen der soziokulturellen Räume im EG an Gruppen, Vereine und Veranstalter und die Erlöse aus den Veranstaltungen.

Ein Kosten und Finanzierungsplan der Betriebskosten liegt bei.

9. Zusammenfassung und Ausblick

Das Kulturzentrum Krawatte soll sich zu einem Brennpunkt der Kulturaktivitäten in Barsinghausen entwickeln.

Ein Haus entsteht, in dem kontinuierlich von unterschiedlichen Akteuren vielfältige kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden und in dem zur Teilnahme an Projekten eingeladen wird, in denen die in Barsinghausen lebenden Menschen ihre künstlerischen Fähigkeiten entwickeln und ihre Ansichten und Interessen kreativ zum Ausdruck bringen.

Alle Menschen aus Barsinghausen und darüber hinaus sind eingeladen, sich aktiv an der Entwicklung und Gestaltung des Zentrums zu beteiligen.

Die Begegnung und gegenseitige Wahrnehmung der Milieus und Kulturen führt zu gegenseitigem Respekt. Das Zentrum fördert ihre innovative Zusammenarbeit. So wird durch gemeinsames Tun die Identifizierung der Bewohner mit ihrem Wohnort und seiner gesellschaftlichen Situation gestärkt.

Und nicht zuletzt wird die Chance eröffnet, dass die Stadt des Fußballs auch zu einer Stadt attraktiver Kultur wird.